Logbuch

17. August 2016

Neues aus Panama

Eigentlich war geplant, dass wir diesen Sommer in der Arktis verbringen würden. Der Plan war, auf dem Boot von Bekannten mit durch die Nordwestpassage zu schippern und darüber einen Film zu machen. Leider mussten wir von diesem Projekt Abstand nehmen, da einige Details bis zum Ende nicht geklärt waren. Schade eigentlich, da dies mit ein Grund war, warum wir ursprünglich beschlossen hatten, ein Jahr in Panama zu verbringen.

Das es nicht geklappt hat, hat auch seine Vorteile. So können wir nun die Zeit nutzen und das Material, das uns letztes Jahr gestohlen wurde, neu filmen.

Thema Filmen - so wie's aussieht erhalten wir Ende Oktober / Anfang November Besuch von einem Fernsehteam, das mit uns die Schönheiten der San Blas Inselwelt erkunden möchte.

Bis dahin helfen wir der Shelter Bay Marina bei einigen größeren Reparaturprojekten und versuchen dabei noch etwas für unsere Bordkasse zu tun.

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Momentan arbeiten wir an einem Boot, das von einem Blitz getroffen wurde und diverse Schäden an der Elektronik bekommen hat.

Weiterhin läuft bald die heiße Phase für unseren Film über den ekuadorianischen Regenwald an.

Also genug zu tun…

- Thorsten

1. Mai 2016

Kleine Yacht auf großer Fahrt

Die Boote der Kunden der Shelter Bay Marina variieren ganz schön in ihrer Größe. Zur Zeit plant eine 173 Fuß (50 Meter) lange Yacht ihre Werftzeit in der Shelter Bay Marina zu verbringen. Aber auch deutlich kleinere Boote machen hier Boxenstopp. So auch Birgit aus Deutschland mit ihrem 22 Fuß (7 m) langen Boot, Poco Loco. Nachdem Birgit es nun im zweiten Anlauf durch den Panamakanal geschafft hat, kam gleich der nächste Minisegler. Die Amerikanerin Donna Lange machte mit ihrem Boot Inspired (In)sanity in der Shelter Bay Marina halt. Mit nur 28 Fuß ist Inspired Insanity nur wenig länger als Poco Loco. Der große Unterschied der beiden Boote ist, dass Inspired Insanity komplett auf einen Hilfsmotor verzichtet. Da man hier im Bereich des Kanals nicht segeln darf, benötigte Donna ein wenig Unterstützung, um die Marina zu verlassen. Aber hier zeigte Shelter Bay ein großes Herz für kleine Boote und stellte Donna das Boot der Marina mit seinem 50 PS Außenborder als Schlepper zur Verfügung.

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Laura im Gespräch mit Weltumseglerin Donna Lange

Da Laura und ich ohnehin die Abreise der Ohne Motor-Solo-Weltumseglerin dokumentieren wollten, meldeten wir uns freiwillig als Schlepper-Kapitäne. Auf der halbstündigen Fahrt durch die Hafenbucht und den Wellenbrecher berichtete Donna von ihren Abenteuern im südlichen Pazifik. Außerhalb des Wellenbrechers kam auch bald eine sanfte Brise, so dass Donna ihre Segel setzte und zwischen den großen, vor dem Panamakanal ankernden Frachtschiffen ihren Weg auf die offene See fand. Ein bisschen wehmütig blickten wir dem kleinen Boot mit den großen Plänen nach.

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Donna in ihrem Element - offene See, ein bisschen Wind. Was will man mehr? Nächster geplanter Halt: Rhode Island, USA.

Thema Pläne

was haben wir so geplant? Nachdem unsere Pläne im vergangenen Herbst durch den Überfall und den Raub unserer Computer ein wenig durcheinander geschmissen wurden, sind wir hier in der Shelter Bay Marina dabei, uns neu zu organisieren. Für unsere Hoch am Wind Filmreihe müssen wir einige verlorene Aufnahmen neu filmen. Und auch für unsere Filmproduktion im Regenwald Ecuadors müssen wir einige Vorbereitungen treffen. Wir müssen die Shotliste machen, die Finanzierung planen, die Filmgenehmigung beantragen und schließlich die Reise nach Ecuador planen. Vermutlich wird es in etwa sechs Wochen dann wieder in den Dschungel gehen. Danach muss die gesamte Nachbearbeitung gemacht werden, und auch unser dritter Teil der Hoch am Wind Serie muss fertig gestellt werden. Also viel zu tun! Ende des Jahres, beziehungsweise Anfang nächsten Jahres, wird es dann mit unserer Corinthian in den Pazifik gehen.

- Thorsten

4. April 2016

Sportliches Wochenende - Radtour und Fußball

Wir hatten es eigentlich schon lange mal geplant - eine Radtour zum nahegelegenen Fort San Lorenzo. Aber es läuft ja nicht weg. Nun hatten unsere Freunde von den deutschen Booten Fajo und Infinity gesagt, dass sie dort hin radeln wollten. Das war der nötige Tritt in den Allerwertesten, um die Arbeit mal links liegen zu lassen und uns auf die Drahtesel zu schwingen. Wir kamen gerade mal bis zum Eingang des Fort San Lorenzo Nationalparks, da mussten wir schon die erste Pause machen. Ein handzahmer Nasenbär kam neugierig an und wollte - natürlich - was zu fressen. Der Parkranger gab uns ein paar Scheiben Brot, um den kleinen Kerl zu füttern.

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Wer hat die größere Nase, Thorsten oder der Coati? Für etwas Futter zeigt der Nasenbär (rechts) Tricks.

Weiter ging's 8 km durch den Regenwald zu dem alten Fort, das einst die Mündung des Rio Chagres bewachen sollte.

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Fort San Lorenzo - Im Hintergrund der Rio Chagres

Tags zuvor konnte Laura sich mit internationalen Fußballspielern messen. Zwei Teams mit Spielern aus Panama, Kolumbien, Venezuela und Kanada traten gegeneinander an. Laura als alte Fußballerin war natürlich dabei.

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Jetzt ist Laura am Ball - Großangriff auf das kleine Tor (im Hintergrund)

Es ging um nichts, die Tore hatten die Größe von Eishockeytoren und das Feld war nur ein Drittel eines FIFA Feldes lang. Aber trotz des kurzen Feldes kam der Spaß nicht zu kurz.

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Selbst Messi (10) konnte Laura nicht bremsen - Tor und Gegenspieler Christian sind am Boden (zerstört)

Ich beteiligte mich dann auch anschließend beim Tortenessen, als mein Beitrag zur Völkerverständigung.

- Thorsten

27. März 2016

Zunächst erst mal frohe Ostern! Kabelbrand und Kanalarbeit

Neulich haben wir uns einen kleinen Urlaub gegönnt. Einmal durch den Panama Kanal fahren und unseren Freunden von der Tignanello in den Schleusen helfen. Ganz Urlaub wurde es dann doch nicht. Als im Ankerfeld vor dem Kanal der Lotse an Bord kam und wir los wollten, wollte die Ankerwinde der Tignanello nicht mehr. Mit vereinten Kräften wuchteten wir Kette samt Haken wieder an Bord. Da eine funktionierende Ankerwinde im Pazifik wichtig ist, schnappte ich mir einen Multimeter und spürte das Problem auf. Wir verkabelten das Windenrelais neu – und siehe da, die Winde tat wieder.

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Nachtschicht im Kanal - Laura, Willem und Remco halten die Leinen stramm wenn das Wasser in die Schleuse sprudelt

Nun sind wir wieder gut auf Corinthian angekommen. Die Shelter Bay Marina wird langsam leerer und wir haben nun etwas mehr Zeit. Wir haben noch einige Projekte in Arbeit. Die Vorbereitungen fuer unsere Aufnahmen in Ecuador und Peru laufen an. Unser Kurzwellenfunkgerät muss repariert werden, der Wassermacher soll neue Dichtungen bekommen und noch ein paar “Kleinigkeiten”.

Thema Kleinigkeit – ein ungewolltes Osterfeuer sorgte vorgestern für einen Schreck in der frühen Morgenstunde. Vor rund einem halben Jahr hatten wir unser Boot mit einigen 12 V Ventilatoren ausgerüstet. Um die Dinger mit Elektrizität zu versorgen, hatte ich auf die Schnelle eine alte 12 V Doppelsteckdose installiert.

Dieses Provisorium war so gut, dass wir uns nie mehr um eine endgültige Lösung gekümmert hatten. Als wir vorgestern in einer windstillen Nacht die Ventilatoren anwerfen wollten, wollten die Ventilatoren nicht so recht. Spürnase Laura fand die Ursache auch schnell. “Hier riecht es angebrannt.” kommentierte sie mit dem Tonfall eines Fussballkommentators, dann “Die Steckdose raucht”, schon eine Oktave hoher. Eine weitere Sekunde später “Die Steckdose brennt!” Ich konnte mir nicht viel Zeit nehmen, die kleine orange Flamme zu bewundern. Beherzt zog ich am Kabel. Da das Plastik mittlerweile die Konsistenz von Schokolade im Hochsommer erreicht hatte, kam das brennende Kabel ohne viel Widerstand aus der Dose und das Feuerchen ging aus.

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Rauchen verboten - die 12 Volt Steckdose hat sich nicht dran gehalten und fliegt deshalb raus

Ich erinnere mich dumpf, dass ich die Steckdose außer Betrieb genommen hatte, da ich sie für nicht mehr ganz sicher hielt.

Nun, vielleicht hat Laura ja recht, dass wir Rauchmelder installieren sollten...

- Thorsten

17. März 2016

Neulich in Panama

Am stählernen Faden

Eigentlich wollte ich nur mal eben bei unseren Nachbarn auf den Mast steigen und den Windrichtungsanzeiger tauschen. Beim Hochklettern kam mir der Mast schon ein wenig wackelig vor. Oben angekommen sprang mir gleich ins Auge, dass am Vorstag (das Stahlseil, das den Mast gegen Umfallen nach hinten sichert) mindestens 7 der 19 Drähte durchgerostet waren. Mit meinem Gewicht im Masttop wurde der Spalt im Seil zunehmend größer. Gut, dass Laura mich schnell wieder runterließ. Mittlerweile haben wir das Vorstag gewechselt und Gymnopedies hat heute die Segel gesetzt. Wir wünschen ihrer Crew gute Fahrt.

On the Rocks

Es begann im November. Laura und ich waren gerade in Deutschland auf dem Weg von Berlin nach Kiel, als mein Telefon klingelte. Anruf aus Panama. Christian, der Besitzer der 16 m X-Yacht "Danish Blue", war auf ein Riff aufgelaufen, das nicht in den Karten steht. Nach einer Nacht auf dem Riff wurde das Boot vom Riff geschleppt und in der Shelter Bay Marina aus dem Wasser genommen. Neben dem Ruder war auch der Kiel beschädigt worden.

Nach einer zwei-monatigen Odyssee, mit verschiedenen Meinungen verschiedener Experten in den diversen Lagern, aber keinerlei Fortschritt, hatte Christian schließlich die Nase voll und bat mich um Hilfe. Zusammen machten wir den Kahn wieder schwimmfähig. Doch Christians Pechsträhne ging weiter. Die Riggteile, die aus den USA geliefert wurden, passten nicht, und die Crew musste noch ordentlich improvisieren. Vibe, Crewmitglied und Christians Partnerin, klopfte in der Nacht vor dem Auslaufen an unser Boot und fragte, ob wir 4 mm Edelstahlschrauben hätten. Ich fand 11 Stück und übergab sie mit den feierlichen Worten: "In Deutschland kosten sie ein paar Cent, hier in Panama sind sie unersetzlich. Bringt den Rest wieder zurück."

Bevor Danish Blue ablegte, gab mir Christian 11 Schrauben 4 mm, nur ein bisschen länger als die alten. Wir wünschen Christian, Vibe und der restlichen Crew der "Danish Blue" gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Faule Tieren und fleißige Wanderer

Aber außer an Booten zu basteln, bietet die Gegend auch andere Möglichkeiten des Zeitvertreibs. Laura wanderte mit einigen Gleichgesinnten frühmorgens im Wald zum Vogel beobachten. Adlerauge Laura fand aber statt gefiederter Genossen pelzige Baumbewohner. Eine Faultiermama mit Junior, die sich große Mühe gaben, wie ein Termitennest auszusehen.

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Lauras Faultiere, gut getarnt. Ein runder Bollen im Geäst.

 

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Hier sieht man Mutter und Kind.

25 Dezember

Frohe Weihnachten aus Panama. Wir sind noch in der Shelter Bay Marina, wo wir noch unsere gebeutelte Bordkasse aufbessern.

An dieser Stelle noch ein Dank an alle Spender, die uns nach dem Raub auf irgendeine Weise unterstützt haben. Wir haben unsere gestohlene Kamera ersetzt. Wir bekamen ein altes neues Netbook gespendet, und es war noch etwas Beteiligung für Lauras neuen, gebrauchten Mac übrig.

Eine wilkommene Abwechselung zum Marinaalltag ist eine Fahrt durch den Panamakanal. Immer wieder haben wir die Gelegenheit, auf anderen Segelbooten als "Leinenhandler" mitzufahren. Hier ein paar Eindrücke:

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Im Flats Ankerfeld warten wir auf den Lotsen - ich vertreibe mir die Zeit mit unserer neuen Kamera zu experimentieren.

 

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Eine alte Bekannte - Monte Cervantes im Hafen von Colon. Ich hatte vor rund 10 Jahren beim Bau in Korea mitgewirkt.

 

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Schon Dunkel als wir in die erste Gatun Schleuse dürfen. Mit in der Schleuse ist ein chinesisches Lazarettschiff.

 

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Morgenstimmung im Gatun See. Baden ist verboten - es gibt Krokodile. Alles was verboten ist macht besonders Spaß.

 

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Vier dieser kleinen Lokomotiven steuern das Schiff durch die Schleusen.

 

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Rechts Rettunngsfloß für 8 Presonen - der Kanal ist ja nicht so breit, aber wie war das mit den Krokodilen?

 

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Der Besucherturm an den Mirflores Schleusen - wir sind als einzelne Jacht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Besucher - und umgekehrt

 

- Thorsten

5. Oktober 2015

Bocas – Colon

Es geht weiter. Nachdem wir rund einen Monat in die Suche unserer geraubten Computer gesteckt haben, setzen wir schließlich Segel. Von Bocas geht es Richtung Osten nach Colon.

Viel zu spät werfen wir die Leinen los. Es war ja auch irgendwie nett bei Mary in der Marina Carenero. Also segeln wir hinterm Zeitplan her. Eigentlich wollten wir in der Bluefield Lagune stoppen. Da wir aber nicht mitten in der Nacht dort einlaufen wollen, lassen wir sie dann rechts liegen und segeln weiter bis zur Insel Escudo de Veraguas. Viel zu früh kommen wir an. Um 2 :00 nachts sehen wir die Umrisse der flachen Insel im Licht des Wetterleuchtens mehrerer entfernter Gewitter. Kein Licht womit man eine Anfahrt auf einen Ankerplatz mit Riffen wagen würde. Wir hatten uns eine 10 m tiefe Sandbank vor der Insel ausgesucht, wo wir unseren Haken in den Grund ziehen können. Der Wind ist ablandig, der Schwell erträglich, warum also nicht. Als wir noch beim Ankern sind, bricht das Gewitter  auch über uns los. Schnell rein, den Computer in den Backofen – soll im Falle eines Blitzschlages helfen – und dann uns trockenlegen und ab ins Bett. Unser Schlaf war zwar tief, aber kurz. Um 6:00 Uhr morgens hat der Schwell so zugenommen, dass ich mir Sorge mache, dass uns der Anker die Klampe aus dem Deck reißt. Also hoch damit und weiter. Um nicht mitten in der Nacht in Colon anzukommen, setzen wir wenig Tuch und fahren mit 5 Knoten auf dem Strom Richtung Osten. Vormittags werden wir von üblen Kreuzseen ordentlich durchgeschüttelt. Keine besonderen Vorkommnisse – bis ich mitten in der folgenden Nacht unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde. Rumms – Kraaatz. Das war wohl ein Baumstamm. Ich renne zu Laura ins Cockpit, sie leuchtete ins Wasser: „Was war das?“ „Keine Ahnung – Klang wie ein Baumstamm oder so?“ Dem Geräusch nach hat der Bug den Volltreffer abbekommen. Der Bug ist massiv Holz. Dann wurde der Stamm unter dem Boot durchgezogen, aber Ruder und Windfahne scheinen heil. Mitten in der Nacht schlief der Wind ein. Damit wir nicht unkontrolliert mit der Strömung durchs Ankerfeld der Frachtschiffe treiben, warf ich den Motor an. Laura schnarchte mit dem Geräusch des Yanmar um die Wette. 4:00 darf ich wieder Schnarchen. Um 6:00 morgens werde ich wach. Aktivität an Deck. Laura hat wieder Segel gesetzt. Gar nicht so einfach, wenn man das Boot im Wind halten muß und gleichzeitig am Mast das Segel hochziehen muß. „Juhu - du hast den Wind gefunden!“ „Du solltst doch schlafen!“  Wir zick-zacken uns durch das Ankerfeld der großen Pötte. Unsere Windfahne steuert haarscharf am Bug eines großen Massengutfrachters vorbei. Die 10 m hohen Bordwände sind ein imposanter Anblick. Eine Stunde später passieren wir die Hafeneinfahrt von Colon.

Wir haben noch unser letztes Einparkmanöver in Shelter Bay in Colon in Erinnerung: 30 Kn Wind und rückwärts zwischen den teuren Yachten einparken. Diesmal ist es einfacher: Wind auf die Nase und langsam in die Parkbucht, alle Zeit der Welt, Leinen festzumachen.  Wir sind angekommen. Hier werden wir vermutlich eine Weile bleiben und unsere durch den Raub in Bocas gebeutelte Borkasse aufbessern. 

23 September 2015

Licht und Schatten nach dem Überfall

Nachdem wir durch den bewaffneten Überfall auf uns vor zwei Wochen und den Raub unserer (natürlich neusten) Kamera vor zwei Monaten ausrüstungstechnisch auf unseren Startpunkt zurückgesetzt worden sind, fiel es uns schwer, das Gute an der Sache zu sehen. Aber die vielen aufmunternden Mails, teilweise von Freunden und Bekannten aber auch von fremden Menschen, waren sehr ermutigend. Was uns komplett überraschte war, dass uns auch viele Menschen mit finanzieller Unterstützung wieder auf die Beine helfen wollen. Das hat uns sehr gerührt. Vielen Dank!

Es wurde Ausrüstung im Wert von rund 9500 € gestohlen. Mein (Thorstens) Macbook ist zwar versichert, wird aber leider nicht mehr gebaut. Selbst wenn wir dafür Ersatz bekommen, brauchen wir dann noch neue Schnittsoftware und bleiben so auf mindestens 7000 € Schaden und der verlorenen Arbeit (unbezahlbar) sitzen. 7000 € sind nicht einfach so in der Bordkasse.

Wer uns also bei der Wiederbeschaffung der Ausrüstung und somit bei der Fortsetzung der Hoch am Wind Serie finanziell unterstützen möchte, hier die Bankdaten:

Thorsten Böhnke
Raiffeisenbank Kissing-Mering e.G.
IBAN DE 02 7206 9155 0000 5421 64
BIC GENO DE F1MR I
Stichwort: Raubüberfall

Nochmals herzlichen Dank allen Spendern.

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Licht und Schatten nicht nur in unserem Leben, aber auch im Regenwald. Diese beiden Schmetterlinge schlafen fest.

Weitere Pläne

Neben unserer "Hoch am Wind" Serie arbeiten wir derzeit noch an einem Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel "Öl für 9 Tage". Dieser Film soll teilweise über sogenanntes Crowdfunding finanziert werden. Crowdfunding – dafür gibt es kein richtiges deutsches Wort – ist ein Mikrobeteiligungssystem, um Projekte unabhängig von großen Geldgebern zu realisieren. Für dieses Projekt haben wir gerade, mit Unterstützung der Filmwerkstatt Kiel, 6 Wochen in Ecuador recherchiert. Es geht um mögliche Ölförderung im Amazonasgebiet mit all ihren Gefahren – für die Natur, die Indianerstämme, das Klima. Das Thema hat alles, was ein guter Film braucht: Höhen, Tiefen, Spannung und hoffentlich ein Happy End. Doch dazu werden wir bald mehr berichten.

- Laura und Thorsten

17. September 2015

Schwarzer Montag - Überfallen und Ausgeraubt

Wir überspringen mal kurz den letzten Monat, da es wichtige aktuelle Entwicklungen gibt. Am vergangenen Montag waren wir Hauptdarsteller in einem bewaffneten Raubüberfall. Aber lest selbst die ganze Geschichte, wie es dazu kam...

Als Segler mag ich Montage normalerweise. Ich habe ohnehin freie Zeiteinteilung. Da spielt es keine Rolle, ob es Samstag, Sonntag oder Montag ist. Meistens ist am Boot was zu Basteln und ich freue mich, dass der Bootszubehörladen offen ist. Auch habe ich meistens ein oder zwei Garantiefälle am Laufen und ich freue mich, dass meine Anfragen beantwortet werden. Kurzum, ich mag Montage eben.

Aber dieser Montag geriet schon im frühen Stadium auf die schiefe Bahn. Ich war dabei, noch eben vor dem Frühstück bei einer Tasse Kaffee ein paar Holzprofen zu fertigen, als mein Schweizer Messer, nachdem es das Holz durchgeschnitten hatte, gleich in meinem linken Daumen weiter schnitt. Etwas ungläubig betrachtete ich zunächst mein Schweizer Messer und dann die neue Öffnung in meinem Daumen. So was hatte ich schon seit ich 12 war nicht mehr gemacht. Das gute daran war, dass unser Bootsnachbar, Mike, Tierarzt ist. "Du hast dir eine gute Stelle ausgesucht, um dich zu schneiden" meinte Mike als erstes. "Am Daumen?" erkundigte ich mich. "Nein, an Land, auf See hättest du jetzt ein Problem." Ich musste unwillkürlich an die Bezeichnung Einhandsegler denken. Mike verarztete den Daumen kurzerhand mit der Auflage, dass ich mich für 10 Tage von Holz und Messern fernzuhalten habe. Artig ließ ich die Bootsarbeit bleiben und widmete mich der Computerarbeit.

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Archivfoto aus Grenada: Ähnlich wie damals in Grenada, sassen wir in Carenero an der Arbeit.

Wir arbeiteten den ganzen Tag an unseren Computern im Fernsehzimmer der Marina. Gegen 21:00 ging Laura eben mal los, um was zu Essen zu machen. Dabei fielen ihr zwei junge Männer auf, die auf dem Steg saßen. Wir beschlossen, vorsichtig zu sein und unsere Sachen keine Sekunde aus den Augen zu lassen. Laura ging und ich beobachtete die Beiden. Als einer den Steg verließ um zu telefonieren, setzte ich mich hin, um die Arbeit fortzusetzen. Großer Fehler. Eine Sekunde darauf stand der Andere in der Tür. Ich wusste sofort, dass dies Ärger bedeutete. Ich ging ihm entgegen um zu verhindern, dass er den Raum betritt. Er zog eine Pistole. Ich bin kein Waffenexperte, aber als ich in die kleine runde Öffnung des Laufes blickte war mir sofort klar, dass dies die Seite der Pistole ist, die man lieber nicht sieht. Ich wusste, dass das Problem ernster war als ich dachte. Ich verlor wertvolle Zeit als ich darüber nachdachte, dass ich meine Strategie wohl eher auf verhandeln verlegen sollte als auf Konfrontation. Der Bandit hingegen hatte andere Ideen. Er wollte nicht verhandeln. Er stürzte auf mich los und schlug mit der Waffe auf mich ein. Mit so einem ungehobelten Benehmen hatte ich nicht gerechnet. Irgendwie bekam ich reflexartig seine Hand mit der Pistole zu fassen. Leider erwischte ich sie nur mit meiner verletzten linken Hand und konnte weder Pistole noch seine Hand halten. Wenn er nur Linkshänder gewesen wäre... Während er also nun weiter mit der Waffe auf meinen Kopf einhämmerte – ich empfand es zu dieser Zeit nicht einmal als sonderlich schmerzhaft, sondern nur ziemlich laut - packte der andere sämtliche technischen Geräte, die auf dem Tisch standen, ein. Als mein Widersacher von mir abließ und türmte, war der andere Schurke schon über alle Berge. Ich verschwendete einige Sekunden, um den Schaden zu erfassen, lang genug um gerade noch den Pistolenmann im Dunkeln verschwinden zu sehen. Ich holte Laura, um unsere übrigen Sachen zu bewachen, alarmierte die Marinabesitzerin, um die Polizei zu rufen, und versuchte den Bösewichten zu folgen, leider ohne Erfolg. Genauso erfolglos war die Arbeit der Polizei, über die ich in den nächsten Tagen in Stichpunkten berichten werde.

Unterm Strich fehlen uns nun zwei Macbook Pro, ein Netbook, mehrere Festplatten mit ca. sechs Monaten Arbeit und ein Handy. Alles, was wir dafür bekommen haben, waren einige Platzwunden und Beulen auf meinem Kopf. Wir haben noch keine Ahnung, wie wir die Rechner ersetzen sollen, über den Daumen gepeilt wird die Wiederbeschaffung rund 8000 Euro kosten - unsere Bordkasse gibt das leider nicht her.

- Thorsten

13. Juli - 12. August 2015

Einmal Dschungel und zurück

Wir sind zum Arbeiten hier - Recherche für unser Filmprojekt mit dem Arbeitstitel 'Eine Chance für den Regenwald', also Kontakte knüpfen, Testshots mit Interview-Partnern, Locations und Geschichten aufspüren und schon mal den einen oder anderen Shot für das Archiv machen.

Wir sind ins Napo Wildlife Center eingeladen worden. Das Center gilt als einer der besten Ausgangspunkte im ekuadorianischen Amazonas, um Tieraufnahmen zu machen.

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Das Napo Wildlife Center ist ein einzigartiges Projekt, bei dem sich die indigene Bevölkerung organisiert hat und die Öko-Lodge betreibt.


Es geht also in den Regenwald. Regen, Regen, Regen… Es gibt hier nur zwei Jahreszeiten, sagt man uns, nass und sehr nass. Wir haben Glück: Wir sind in der "Shoulder Season" zwischen nass und sehr nass. Super! Der Regen lässt nach, und wir sehen einiges an Tieren.

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Der gefährdete Riesenotter kann in Kichwa Añangu noch häufig angetroffen werden.

 

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Es geht Schlag auf Schlag, statt Mittagspause in der Hängematte filmen wir kleine Tamarine. Auch gut.

Nach einer Woche setzt sich aber El Niño wieder durch, und das Gebiet wird komplett überschwemmt.

Wir "reiten" auf dem Hochwasser des Napo flussabwärts bis zur peruanischen Grenze. Aber unsere Hoffnung, dort Flussdelfine zu sehen, wird enttäuscht. In der kaffeebraunen Brühe würden wir sie nicht mal sehen, wenn sie ans Boot klopfen würden.

 
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Nuevo Rocafuerte, keine Delfine aber ein schöner Sonnenuntergang.

Also geht es zurück nach Coca, der Stadt am oberen Teil des Napo.

Wir treffen uns mit Pato, einem Bergführer aus Quito, der in einigen Dörfern der Waorani Ökotourismus eingeführt hat. Es geht nach Nampaweno. Wir werden im Dorf mit Tänzen und Kriegsbemalung begrüßt. Nama der Häuptling ist noch ein Jäger der alten Schule. Er lehrt uns mit Speer und Blasrohr zu jagen, zeigt uns, wie man mit zwei Stückchen Holz ein Feuer macht und wie man sich Pfeilgift braut. In ihm finden wir den perfekten Repräsentanten der noch naturnah lebenden Waorani. Herzliches Waponi (Danke).

Zurück nach Quito. Biologen, Soziologen, sonstige Logen und Experten treffen, Übersetzer kontaktieren, Wäsche waschen, packen und auf nach Panama...

- Thorsten

3. Juli 2015
Almirante, Bogota, Quito

 

„Diesmal lass ich Sie noch rein, beim nächsten mal nicht mehr.“ meint die hübsche kolumbianische Grenzerin  „Ihr Pass ist voll“ Sie quetscht den Stempel in eine Ecke. Nach einer elf-stündiger Nachtfahrt im Bus von Almirante nach Panama City, einer geklauuten Kamera und holprigen Flug nach Bogota, kann ich solche unliebsamen Überraschungen nicht gebrauchen. Doch zum Glück hat die Dame eine Seite übersehen und ich habe noch eine freie Seite. Die muss noch bis zu unserer Rückkehr nach Panama halten.

 

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Irgendwie verdreht - moderne Architektur in Panama City im Morgenlicht

Wir haben nur 6 Stunden in Bogota. Wir lassen uns von Alberto durch „La Candeleria“, die Altstadt, fahren, er zeigt uns den Präsidentenpalast, die Uni, die Zahnradbahn, die auf den Berg zum Kloster führt, und bringt uns rechtzeitig wieder zum Flughafen. Eineinhalb Flugstunden nachdem wir losfliegen, landet unser Airbus A320 in Quito. Knapp 30 Stunden waren wir insgesamt mit Boot, Bus, Taxi und Flugzeug unterwegs.

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Bogota am Nachmittag - moderne Kunst im Vordergrund das Kloster auf dem Berg im Hintergrund.

1 Juli 2015

Auf nach Almirante

So hatten wir uns die Überfahrt nach Almirante nicht vorgestellt: Gewitter und Platzregen, dafür gab's dann aber auch Wind. Eigentlich war's dann doch ganz gut - der Regen wusch unser ganzes Boot noch mal ab, der Wind trieb uns schnell an und das Gewitter war weit genug entfernt. Rechtzeitig um das Boot aus dem Wasser zu nehmen, hörte der Regen dann auf. Carl ersparte uns, dass wir das Vorstag abnehmen mussten. Nachmittags um drei standen wir dann hoch und trocken im Bocas Yacht Services Yard an Land.

16. Juni 2015

Cayo Carenero

Von der schönen Insel Bastimentos ging es weiter nach Cayo Carenero, zu deutsch etwa der Trockendock-Sandinsel. Mary, die Besitzerin der Marina Cayo Carenero, hatte uns für ein Paar Tage eingeladen, um die Insel zu erkunden. Aus Tagen wurden Wochen – 2 Wochen...

Die Anreise war einfacher als gedacht. Nachdem uns unsere Karten erklärt hatten, dass es für unsere Corinthian zu flach wäre, hatten wir Zweifel, ob wir es bis in Marys Marina schaffen würden. Aber mit Marys guter Wegbeschreibung „Bis zum Funkturm und dann rechts“ ging es doch. Einen Schönheitsfehler hatte unsere Anreise aber doch. Wir wollten bei Hochwasser einlaufen. Nun gibt es pro Tag zwei mal Ebbe und zwei mal Flut, wovon eine Flut hoch ist und die andere eben weniger hoch. Da wir tagsüber ankommen wollten, hatten wir nur die niedrige Flut zur Verfügung. Eine Handbreit mehr Wasser unter dem Kiel wäre für unsere Nerven eine Wohltat gewesen.

Noch ein wenig blass um die Nase steuerte Laura Corinthian in unsere Box. Mary, Fabian und ich machten Corinthian an den Pollern fest.

Über die Marina können Laura und ich mit Fug und Recht sagen, dass es eine der gemütlichsten Marinas ist, die wir kennen. Mary, selbst Fahrtenseglerin, weiss, worauf es Seglern ankommt. Angefangen von einer kleinen Werkstatt über eine Nähstube und eine öffentliche Küche mit grossem Kühlschrank und einer Gefriertruhe, bis hin zu einem Fernsehraum und Kräutergarten, den jeder nutzen kann.


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Die Ostseite von Cayo Carenero, im Hintergrund die Insel Solarte.

Die Insel Carenero selbst hat auch ihre Reize - eine wilde Küste im Norden, die mit grossen Wellen zum Surfen einlädt, einen ruhigen Sandstrand im Osten mit einigen kleinen Restaurants und Cafés, und in ihrem Herzen zauberhaften Regenwald.

Bocas Town, das touristische Zentrum, ist nur zwei Minuten oder einen Dollar mit dem Wassertaxi von Carenero entfernt und bietet mit zahlreichen Eisenwarenläden vieles, was der Segler braucht. Marina Carenero war also perfekt, um die Insel zu erkunden und unsere Cori zum Einlagern in Almirante und uns selbst für die Reise nach Ecuador vorzubereiten.


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Surfen - aber nicht im Netz. Im Norden von Cayo Carenero ist es möglich, warmes Wasser und gute Wellen...

- Thorsten

12. Juni 2015

Bastimentos und seine fleißigen Faultiere

Die Insel Bastimentos beherbergt einen Nationalpark. Nachdem wir beim ersten Besuch gleich am „Welcome Center“ ein Faultier am Baum hängen sahen, machten wir uns mit der Kamera bewaffnet noch mal gezielt auf die „Jagd“ nach den putzigen Kerlchen.

Tiere aufzuspüren, die sich so langsam bewegen, dass sogar Algen darauf wachsen, kann ja nicht so schwer sein – dachte ich. Aber die Algen sind genau der Trick der Tiere. Faultiere haben ein Fell auf dem in der Regenzeit tatsächlich Algen wachsen können. Dadurch wird es grün und tarnt die puscheligen Baumbewohner perfekt.

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Auf der Suche nach Futter - Blätter laufen ja nicht weg, da kann sich das Faultier Zeit lassen.

Zum Glück hatte Deci, der Dockmaster der Red Frog Marina, Zeit für uns und zeigte uns die schönsten Ecken der Insel. Doch wie es der Zufall wollte, keine Faultiere. Wie schon so oft, wenn man alle Hoffnung aufgibt, dann kommt es geballt. Drei Faultiere auf einmal. Und dann fingen noch zwei an sich vor laufender Kamera zu hauen. Das hatten wir ja von diesen langsamen Wollknäulen nicht erwartet. Es wurde gebissen, gekratzt und gehauen. Das Kleinere stiess eine panisches Quieken aus, als es am Ende des Astes angekommen war. Nach drei Minuten atemberaubenden Zweikampfes gelang es dem Kleinen zu flüchten. Auch wir atmeten auf. Ein Happy End und alles im Kasten.

Danke an Dan und Deci, die uns bei unseren Aufnahmen auf Bastimentos unterstützt haben.

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Das Maskottchen der Red Frog Marina - ein Erdbeerfröschen. Die rote Farbe bedeutet "Vorsicht, giftig" und schützt ihn vor Feinden.

- Thorsten

3. Juni 2015

Der lange Törn nach Bocas del Toro

Die Wettervorhersage 8-10 Knoten Wind, Tendenz abnehmend, also recht wenig Wind. In der folgenden Woche noch weniger. Das Gute dabei, nur 0,5-1 m Wellen. Also nichts wie los, jetzt oder nie. Nachdem wir den ganzen Tag beschäftigt waren - ein Meeting, Diesel kaufen, defekte Kühlschränke auf anderen Booten inspizieren, und Emails schreiben - kamen wir erst gegen 17:00 los. Gerade noch in der Zeit, um das Ankerfeld der geparkten Frachter zu durchqueren und weit genug von der Kanaleinfahrt weg zu sein, ehe es dunkel wurde. Schon bald wurde uns klar, dass die Fahrt nach Bocas lang werden könnte. Mit 1-2 Knoten Strom von gegenan und dem Wind auch auf die Nase, mussten wir mühevoll Richtung Westen kreuzen.

Doch gelegentliche Gewitter sorgten mit Windböen und Winddrehern für raschere Fahrt in die richtige Richtung. Dennoch wurden aus den 40 Stunden, die wir geplant hatten, schließlich fast drei Tage.

Wir waren froh, als wir unseren Anker in Bocas im Sand hatten. Als Belohnung gab es dann aber Delfine, die ums Boot schwammen und eine mehrstündige Siesta. Und am nächsten Morgen Pfannkuchen mit kanadischem Ahornsirup.
Mittlerweile haben wir umgeankert, und liegen vor Isla Bastimentos.

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Dramatischer Himmel, die Regenzeit beschert neben Regen auch spektakuläre Sonnenuntergänge. Bastimentos und die Red Frog Marina im Vordergrund

- Thorsten

24. Mai 2015

Green Turtle Bay - Isla Linton - Shelter Bay

Internetausfall wegen Regen, darum gibt es einen kleinen Nachtrag. Von Green Turtle Bay ging es per Bus in die Stadt, zuerst nach Portobelo, um uns beim dortigen Hafenmeister anzumelden, dann nach Colon, um der Hafenbehörde unsere Aufwartung zu machen. Für 185 USD erstanden wir dann die obligatorische 'Cruising Permit', die uns erlaubt, Panamas Hoheitsgewässer zu befahren.

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Mit Rückenwind - im Mix von Gewitter, Regenschauer und Böen geht es von der Green Turtle Bay Richtung Linton mit Laura am Rad

Nun konnten wir guten Gewissens die Turtle Cay Marina verlassen, um weiter Richtung Westen zu Segeln. Bei unserer Abfahrt aus der Marina mussten wir den rund 100 m langen ausgebaggerten Kanal passieren - und fanden prompt eine Untiefe mit 2,2 m. Corinthian stoppte kurz, ehe sie mit dem Kiel freikam und es weiterging. Soviel zu den offiziellen Angaben, mind. 2,5 m in der ganzen Marina…

Die Ironie des Schicksals, nach 2 Monaten in Gewässern über die nur unvollständige Karten existieren, laufen wir in der 'sicheren' Ausfahrt der Marina auf Grund. Laura im Ausguck hatte wegen des trüben Wassers keine Chance, etwas zu erkennen. Auch das Echolot gab mir keine gute Vorwarnung. Von 2,6 m Tiefe geht es halt schnell auf 2,2 m.

Wir fuhren weiter nach Isla Linton und Puerto Lindo. Wir blieben dort 2 Nächte, inspizierten unseren Kiel auf Schäden (zum Glück alles gut) und besuchten Silvia und Guido, Betreiber des Hostels 'Wunderbar' und des dortigen Yachtservices.

Dann ging es weiter nach Colon. Mit 25 und mehr Knoten Wind, pflügte sich unsere 'Cori' nur unter Vorsegel dahin, mehr als 6 Knoten Bootsgeschwindigkeit auf der Logge. Am frühen Nachmittag passierten wir dann den Wellenbrecher, überquerten die Zufahrt des Panamakanals und liefen in die 'Shelter Bay Marina' ein.

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Das Tor zum Pazifik - der Wellenbrecher des Hafens von Colon bei der Arbeit.

Nochmals spannend wurde es beim einparken. Rückwärts mit Wind in die Box neben eine 45 Fuß Motoryacht, die Zufahrt durch einen gegenüber liegenden Katamaran behindert.

Nachdem der Wind uns beim ersten Versuch quer vor die Box trieb, klappte es schließlich beim zweiten Anlauf mit Hilfe des Marina Dock Personals, 'Cori' artgerecht ohne Kratzer in die Box zu bekommen. Wieder mal mehr Aufregung als nötig war. Im Nachhinein erfahre ich, dass wir auch vorwärts einparken gedurft hätten.

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Eingeparkt - unser derzeitiges Zuhause die Shelter Bay Marina. Erstaunlich wie gut die Karte von Navionics stimmt.

In Colon planen wir die nächsten Schritte. Nach knapp 2 Monaten abseits in der Inselwelt fern Zivisilation sind die Proviantkammern von Corinthian leer. Außerdem müssen wir unsere Aufenthaltserlaubnis verlängern. Die zwei Stempel in unseren Pässen kosten 210 USD. Da fragen wir uns natürlich was es kostet keinen Stempel zu haben...

- Thorsten

19. Mai 2015

Adios San Blas - Hola Panama

Die ersten Gewitter, ein Zeichen der nahenden Regenzeit, und einen Blick in den Kalender ermahnten uns, dass wir uns wieder auf den Weg machen sollten. Um die 45 Seemeilen (rund 83 km) unserer nächsten Etappe im Tageslicht zu bewältigen, mussten wir uns im Morgengrauen auf den Weg machen. Laura steuerte Corinthian souverän zwischen den Riffen der Laguna Bajos durch, bis ins offene Wasser. Mit rund 7 Knoten Bootsgeschwindigkeit rauschten wir unter vollen Segeln dahin, bis gegen 11:00 dem Wind die Puste ausging. Wir dümpelten zunächst mit schlagenden Segeln in den 2-3 m Wellen. Schweren Herzens warfen wir schließlich den Motor an und tuckerten mit 4-4,5 Knoten weiter. Als schließlich gegen 14:00 ein leiser Hauch aufkam, setzten wir wieder Segel und es ging mit 5-6 Knoten vorwärts.

Unser Ziel, die Green Turtle Bay, war kleiner als wir uns vorgestellt hatten. An den Riffen, die die kleine Bucht rechts und links begrenzen, brachen sich die Wellen. Entsprechend froh waren wir, dass wir den 'Flautenschieber' angeworfen hatten, und noch bei gutem Licht angekommen sind. Auch in der Bucht selbst war relativ hoher Schwell, sodass wir in den Sportboothafen, die Turtle Cay Marina, weiterfuhren. Vier hilfsbereite Hände, von Peter und Andy, nahmen unsere Leinen an und halfen beim Festmachen, sodass Corinthian um fünf Uhr gut vertäut am Steg lag. Von hier aus werden wir die nächsten Schritte unternehmen.

- Thorsten

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Volkszählung, mit dem Klemmbrett bewaffnet notiert Laura verschiedene Fischarten für die Organnisation REEF.

6. Mai 2015

Grüße aus San Blas - Hoch am Wind Filme als HD-Downloads verfügbar

Lange nichts geschrieben: hier auf den San Blas Inseln gehen die Uhren anders. Entsprechend schwierig ist es, Internet zu finden. Aber vielleicht macht das gerade den Reiz von San Blas aus. Die Inseln sind schön, wie man sich Karibik vorstellt - weiße Strände, Palmen, türkieses Wasser und Korallenriffe - und dann auf der anderen Seite, am Festland, mangrovenbesäumte Flüsse, Dschungel mit allem drum und dran, und blaue Berge im Hintergrund. Also echt was fürs Auge.

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Auch die Tierwelt hat es in sich. Beim Wandern auf dem Festland haben wir Schlangen, Affen, Papageie, Spinnen, diverse Insekten und Vögel gesehen, und tausende von No-See-ums, die kleinen Blutsauger, ähnlich wie Sandflöhe, nur kleiner, und etliche Zecken...

Bei unseren Unterwasseraufnahmen, sahen wir einen guten Querschnitt durch die karibische Fischwelt. Mein persönliches Highlight war ein 2,5 m Ammenhai, der unter einem Korallenvorsprung schlief. Ich konnte es mir gut verkneifen, ihn in den Schwanz zu kneifen - lieber keine schlafenden Haie wecken. Laura schwärmt noch von einer großen Schildkröte, die an uns vorbeischwam und an der sich einige Remoras festgesaugt hatten.

Nun, geht es langsam weiter Richtung Nordwesten, Richtung Panama.

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Mahlzeit - der kleine Feilenfisch hält unser Ankerseil sauber. Nachdem ich ihn zu lange filme erklärt mir der walnußgroße Fisch, dass es genug ist. Mit einem Scheinangriff verteidigt der wackere Knirps seine Futterquelle.

Noch eine Neuigkeit: Unsere Filme kann man nun auch direkt aus dem Internet in HD-Qualität runterladen. Unser Partner hierfür ist die Plattform www.segel-filme.de Die Filme findet ihr unter:
Per Anhalter über den Atlantik: http://shop.segel-filme.de/film-downloads/toernfilme/per-anhalter-uber-den-atlantik.html
Wilde Karibik - Die Inseln über dem Winde: http://shop.segel-filme.de/film-downloads/toernfilme/wilde-karibik-die-inseln-uber-dem-winde.html

In diesem Sinne,
Thorsten und Laura

19. April 2015

Wir sind immer noch auf den San Blas Inseln, haben aber heute Internet. Wir sind zur Zeit auf Nargana, beim Rio Diablo (der Diablo Fluss). Gestern, als wir hier ankamen, hatten wir mal wieder richtig schönes Segelwetter - ein stetiger Wind, blauer Himmel und Sonnenschein.

Nargana (in der Guna-Sprache Yandup genannt) ist die modernste Insel, die wir bisher in San Blas besucht haben. Wir nutzen also die Gelegenheit, unsere Mails abzurufen und etwas Proviant einzukaufen. Über eine Brücke ist Nargana mit ihrer Nachbarinsel Corazón de Jesús verbunden. Corazón de Jesús, oder Akuanusatupu auf Guna, ist die kleinere der beiden Inseln, mit gerade mal 600 Einwohnern.

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Nargana - schlau gemacht, die Duschen und Toiletten sind auf Stelzen übers Wasser gebaut, das spart die Kanalisation!!!

Von hier wollen wir die östlichen Coco Bandero Cays ansteuern. Wir hoffen dort noch ein paar gute Unterwasseraufnahmen machen zu können.

Das mit dem Handbreit Wasser unter dem Kiel, was uns alle wünschen, war einmal schon sehr knapp. Wir lernen langsam, den Karten nicht ganz zu vertrauen. Jetzt sind wir weiter oben im Nordwesten der San Blas Inseln, wo die Karten auch schon etwas genauer sind. Trotzdem bleibt es sehr spannend. Es ist eine gute Übung für den Pazifik.

13. April 2015

Wir werden noch ca. 3-4 Wochen hier in Guna Yala verbringen und dann nach Puerto Lindo fahren. Von dort ist es nicht mehr weit nach Colón, wo wir uns für den Panamakanal anmelden können. Colón, die zweitgrößte Stadt Panamas mit über 200-tausend Einwohnern, ist die Stadt an der Einfahrt zum Panamakanal.

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Ein neuer Freund und Begleiter - ein kleiner Remora hat sich in unsere 'Cori' verliebt.

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Mit seinem Saugnapf kann er sich während der Fahrt an unserem Boot festsaugen, oder auch mal an einer badenden Laura oder an Thorstens Bein.

12. April 2015

Wir liegen momentan vor Mamitupu, eine der östlichen San Blas Inseln. Zufällig trafen wir hier alte Freunde von S/Y Black Elise II. Reinhard hat uns sein Handy mit Internet ausgeliehen, damit wir hier ein paar Zeilen schreiben können. Es geht uns gut und wir genießen die Zeit in Guna Yala. Übermorgen soll es weiter gehen Richtung Norden, oder besser gesagt Westen, wie immer man das sehen will. Nächster geplanter Halt ist Mono Island, danach Snug Harbour.

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Ein weltoffener Kuna mit Familie. Pablo (l) hat ein paar traditionelle Guna Hütten, die er an Touristen vermietet. Er spricht fließend Englisch und gibt auch einen guten Tourguide ab. Wer also mal einen ruhigen Urlaub machen möchte, sollte es bei Pablo versuchen.

4. April 2015

Die Überfahrt von Barranquilla, Kolumbien nach Guna Yala, Panama kann schwierig sein. Durch ein privates Tiefdruckgebiet vor der Küste Kolumbiens, sind hier die Winde häufig über 40 Knoten. Die Wellen sind dann 3-5 m hoch. Da wir uns nicht die Zeit nehmen wollten bis die Winde abflauen, nahmen wir das beste Wetterfenster, das sich anbot, und setzen Segel.

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Begegnung bei unserer Überfahrt, ein Frachter im Seegang.

Unsere "Corinthian", ein relativ leichtes Boot, machte das Beste daraus. Die Seen beutelten uns hin und her, aber dafür schafften wir es in weniger als den erwarteten 3 Tagen nach Isla Pinos im südlichen Guna Yala.

Guna Yala liegt im Südosten Panamas and ist das Territorium der Guna Indianer. Die Gunas sind weitgehend unabhängig von Panama und verwalten sich selbst.  Guna Yala beinhaltet die San Blas Inseln, ein Archipel von mehr als 340 Inseln, die sich an der Küste entlangstrecken, und die angrenzenden Festlandgebiete.

29 März 2015

Ein Meilenstein - unsere ersten 100 m. Aller Anfang ist schwer sagt der Volksmund und der weiß ja wohl Bescheid. Tatsächlich haben wir die letzten Wochen fleißig gearbeitet um unser Boot wieder startklar zu machen.
Dann kam noch eine kleine Odyssee dazu - unsere Ausreisestempel erjagen. Normalerweise kommt der Beamte dafür an Bord.  Da er aber aus dem 25 km entfernten Baranquilla kommen müßte, durften wir, um uns die Kosten für seine Anreise zu sparen, die Stempel selbst holen. Mit Motorrädern ging es an die nächste Straße, dann mit einem bunt bemalten alten Schulbus in die Stadt, mit einem etwas moderneren Gefährt bis zum Flughafen, wo wir dann feststellten dass Senor Jose mit seinen Stempeln kurzfristig in die Stadt musste. Wieder in den Bus und ab in die Stadt -  Termin um 13:00 bei der 'Migration'. Wir waren sogar 15 min zu früh und durften die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit des Kolumbien - Bahrein Fussballspieles erleben. In der Halbzeit bekamen wir schnell unsere Stempel und durften offiziell ausgereist wieder zum Boot fahren.

Zurück am Boot erklärte uns Cristina eine Marinamitarbeiterin dass sie 11 mal versucht hatte uns zu erreichen, um uns von der Planänderung in Kenntnis zu setzen. Dummerweise hatte sich mein Handy schlafen gelegt. Hatten wir also selbst vergrützt...

Jetzt nur noch die letzten Handgriffe und schon kann's losgehen. Sachen verstauen, Boot, Mast und Segel waschen, Tanks füllen, noch mehr wegräumen und dann in letzter Minute noch einen Absperrhahn ins Frischwassersystem bauen.

Um so mehr freuen wir uns dass wir nun den Anfang geschafft haben, 100 m aus dem Hafen bis zum Ankerplatz. Keine Weltreise aber für uns ein Meilenstein. Morgen in aller Frühe geht es dann weiter, entlang der kolumbianischen Küste nach Panama. Die ersten Anlaufpunkte sollen die autonomen San Blas Inseln werden.

Und wer's wissen will: Kolumbien hat toll gespielt und 6:0 gewonnen.

25 Februar 2015

Ein Schelle auf die Schnelle

Nein, es geht weder um eine Fahrradklingel, noch um eine süddeutsche Ohrfeige, sondern um eine Schlauchschelle. Eine Schlauchschelle mit rund 30 cm Durchmesser.

Eigentlich hatte ich den Tag anders verplant. Ich wollte die Spibaumhalterung festmachen, die Schraubenlöcher der Sprayhoodhalter mit Harz füllen, die Kurzwellenantenne anschließen…

Aber dann änderten sich die Prioritäten - als ich beim routinemäßigen Bewegen des Seeventils an unserem Motor eine grausige Entdeckung machte. Eine Schlauchklemme, die eine Gummimanschette, die den Antrieb unseres Bootes abdichtet, am Platz halten soll, krümmelte mir in drei Teilen entgegen. Die Schellen, die ich vorrätig hatte, waren etwas zu klein und etwas zu breit. Schließlich fand ich eine Schelle von einer alten Luftpumpe.

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Bastelstunde für mich - Laura dokumeniert das für die Nachwelt. Hier der Blick durch die Kamera.

Etwas zu groß, aber die Schelle kam dem originalen Teil nahe. Nur noch schnell einpassen… Schlanke vier Stunden später war die neue Schelle im Platz.

Hoffentlich bleibt sie auch da! Natürlich muss ich der Sache auch was positives abgewinnen. Richtig blöd wäre es, wenn ich die Reparatur erst unterwegs bemerkt hätte, oder die Gummimanschette runtergesprungen wäre.

Also freu ich mich über das Problem, das ich lösen konnte, in der Hoffnung, dass ich ihm so schnell nicht mehr begegnen werde, oder zumindest die Lösung bereits parat habe.

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Ein neues Zuhause für die Schelle. Aus Ermangelung eines USB-Kabels heute mal von der Kamera mit der Webcam abfotografiert.

- Thorsten

15 Februar 2015

DVD angekommen

Tadaaa - Das war die Fanfare. Nun ist sie da, die DVD. Mit ein wenig Verspätung zugegebener Weise. Nachdem der erste Hersteller Lieferprobleme hatte und uns über sechs Wochen immer wieder vertröstete, wechselten wir unseren Lieferanten. Und dieser war dafür schneller als versprochen. Am Freitag Nachmittag fuhr der Wagen von MK DiscPress in unserem Stützpunkt in Merching vor. Wir erfuhren die frohe Kunde gleich per SMS in Kolumbien.

Und so sieht sie aus:
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Die Hülle ist ganz aus Papier und die DVD hat nur halb so viel Plastik, da kann man ja auch guten Gewissens gleich doppelt so viele DVDs bestellen. Und da wir schon am Plastik sparen, haben wir dafür 24 Minuten mehr Film draufgepackt.

Wer schon mal reinschnuppern möchte, auf der Webseite der Yacht, des größten Segelmagazines Europas, ist ein 5 Minuten Film über uns, der einige Szenen aus der DVD-Fassung unseres Filmes beinhaltet: http://www.yacht.de/yacht_tv/reportage/hoch-am-wind--die-wilde-karibik/a96385.html

10 Februar 2015

Häusliche Arbeiten

Über eine Woche sind wir schon wieder an Bord, und wir haben immer noch einen Berg von Arbeiten vor uns.

Wenn man in einem Haus wohnt, muss man gelegentlich Rasen mähen. Wir haben gestern mit Metallspachteln das Seegras im Unterwasserbereich unserer Corinthian "gemäht". Die Staubschicht auf unserem Mast war schon so dick, dass man bald Radieschen drauf pflanzen konnte. Also mussten wir sie abwaschen, damit unsere Segel nicht gleich schmutzig werden, sowie wir sie das erste Mal hochziehen. Auch im Innenraum wächst und gedeiht einiges. Aufgrund des warmen Klimas sind einige Ecken verschimmelt, sodass wir vorsichtshalber alles waschen und reinigen.

Doch zwischendrin nehmen wir uns auch mal Zeit für Arbeiten, die wir schon lange auf unserer Liste haben. Thorsten hat ein 19 V Netzteil für die UV-Lampe des eSpring-Wasserfilters installiert. So müssen wir sie nicht über 220 V betreiben, was den Stromverbrauch von rund 1 Ampere auf rund 0,1 Ampere senkt. Um noch mehr Strom zu sparen hat er einen Schalter eingebaut, damit man die Filterelektronik ggf ausschalten kann.

Laura organisierte eine Mitfahrgelegenheit mit den Nachbarn zu einem Tante Emma Laden, um uns noch einige Tage Schonfrist vor der fünf-stündigen Reise zum nächsten Supermarkt zu gewähren.

Da das Internet zur Zeit dicke Backen macht, müssen wir Euch die Bilder schuldig bleiben. Nun werden wir versuchen, wenigstens diesen Text durchs Handy hochzuladen.

- Thorsten und Laura

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Nun geht das Internet wieder - noch immer liegt Corinthian gut vertäut in der Marina Puerto Velero. Der Windgenerator am Heck beschert uns auch morgens volle Batterien.

4 Februar 2015

Vorträge am kommenden Wochenende

Am Sonntag den 08.02.2015 finden zwei Vorträge statt, die wir gerne weiterempfehlen.

Tom und Susi Mallunat, befreundete Segler, die wir in Trinidad kennenlernten und bei denen Lauras Bruder auch ein paar Etappen mitsegelte, halten in Berlin ihren Vortrag "Träume gehen krumme Wege". Tom und Susi erzählen zum ersten Mal, wie sie im Herbst 2014 ihr Schiff TROLL aufgeben mussten. Zudem erzählen sie von ihren mehrjährigen Segelerfahrungen, zuerst auf dem Wharram Katamaran AORAI und danach auf dem Stahlschiff TROLL. Der Vortrag wird von der Schiffergilde zu Berlin präsentiert und findet im Segler-Verein Stößensee, Havelschaussee 129, 14055 Berlin, statt. Vortragsbeginn 14 Uhr am Sonntag den 08.02.2015. Eintritt 8 €, Jugendliche unter 21 Jahren 5 €, der gesamte Erlös kommt dem Seglerpaar zu Gute.

Im Süden Deutschlands zeigt Weltumsegler Martin Finkbeiner seinen Film "Die Reise der IVALU" in Landsberg am Lech. Zuschauer können sich auf Aufnahmen aus 3 Ozeanen, 30 Ländern, und über 30.000 Seemeilen freuen. Zudem erzählt Martin nach dem Film von seinem Umweltprojekt "IVALU and You", in dem er Lösungsansätze für Plastikproblematik auf verschiedenen Inseln suchte. Der Film wird im Olympia Kino Landsberg, Adolph-Kolping-Straße 131, 86899 Landsberg am Lech gezeigt. Filmstart um 11 Uhr am Sonntag den 08.02.2015.

Die Plakate zu den Vorträgen geben eine kleine Voransicht und weitere Informationen:

Traeume gehen krumme Wege

Die Reise der IVALU

- Laura und Thorsten

1 Februar 2015

Endlich wieder an Bord

Nach knapp einem halben Jahr sind wir nun wieder zu Hause. Zu Hause an Bord von Corinthian. Freitag Abend, nach einem 24-stündigen Flugmarathon, hatten wir es geschafft. Während ich eine Stunde vom Zoll in Barranquilla gefilzt wurde, hatte Avianca Laura kurzerhand auf eine 2 Stunden spätere Maschine umgebucht und vor ihrer Nase ihren Platz an andere Passagiere vergeben. So saß Laura in Bogota fest während ich mit Händen und Füßen und 3 Worten Spanisch erklärte, dass ich weder Drogenkurier noch Schmuggler war. Schließlich klärte sich alles. Man ließ mich ins Land, zwei Stunden später öffneten sich die Tore und Laura kam aus der Anflughall. Raphael, unser Taxifahrer, war trotz aller verwirrender Nachrichten auch da.

Wir fuhren mit ihm die rund 40 km bis zur Marina Puerto Velero und hoppelten über die sandige Straße bis zum Steg. Im Licht der Autoscheinwerfer bekam ich den ersten Blick auf unsere Corinthian. Sie schwamm noch. Mit gemischten Gefühlen und etwa 130 kg Gepäck ging es den  langen Steg hinunter. Das Boot sah beinahe aus wie als wir es verlassen hatten. Ein Mitarbeiter der Marina hatte es noch für uns gewaschen. Alex, der Dockmaster, hatte die Seeventile in Gang gehalten und zwischendrin gelüftet. Aufgeräumt hatte aber niemand für uns.  Da wir vor unserer Abreise außen alles abmontiert und ins Boot gepackt hatten, sah es ein wenig aus wie bei Hempels unterm Sofa. In den nächsten Tagen noch viel Arbeit.

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Die Idylle trügt: Hier wird gearbeitet, dass die Fetzen fliegen.

Wo genau liegt unsere Cori? Wir haben unsere Freunde aus dem Weltall zu Hilfe genommen: Hier - das letzte Boot am mittleren Steg.

Alle Logbucheinträge

Hier finden Sie unsere früheren Logbucheinträge:

Ein Rückblick auf das Jahr 2014

Jan. - Dez. 2014

Okt. - Dez. 2013

März - Sept. 2013